22.10.2017 | 15:31 Uhr CEST
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Interview mit Jeff Beal

Vorbemerkung

Das folgende Interview mit dem Songwriter Jeff Beal wurde 2005 von Benjamin Hirsch für die Fansite adrianmonk.de erstellt. Die Übersetzung stammt von Ariana.

Original englisch

Dear Jeff, thank you for this interview. It's a great honour for me and for the German fans! Was it difficult for you to transform the very special character of Monk into music?

This is always the tricky but also most fun and rewarding part of my job (especially in the beginning when I'm figuring out the score/ sound for a new show or movie). I usually get a lot of inspiration from the actors and the story. I loved the way Tony mixes deadpan humor, paranoia, intelligence and physical comedy to create the character. I feel like Monk is usually caught up in his own little world - certainly not concerned about any normal conventions of fashion or social graces (as we 'normal' people usually have).

The music is usually supporting some aspect of these points of view, childish delight at 'solving the puzzle' etc. There is also a definite tempo and rhythm to the character and the way he acts and speak that I try to support in the music. The most tricky thing about comedic dramas is to learn when to stay out of the way and let the jokes and funny moments happen - often the music can help slyly set the stage for this stuff. The challenge is not to go too far as to force the comedy!

Do you get the ideas for the music while watching scenes or are you composing without watching them?

I almost always score to picture. The scoring on "Monk" is very much about playing the beats of each scene, so usually work with the scene playing. I used to play a lot of jazz, and this process reminds me of that a lot - I'm trying to "fit in" and be a part of what everybody else is doing. The 1st key is to be a good listener and observer.

How do you get the creativity for composing?

Hmm - usually a deadline! That's how most of the work is in film and tv. TV scoring is especially deadline driven. I try to find large blocks of time when I can work without a lot of interruptions. This usually results in the best ideas and work. I also do my best work when the show (like "Monk") is good - there's a lot of inspiration when you have such great actors doing such wonderful work.

Did you have contact with one of the actors of "Monk" during your work or afterwards?

A little bit - I did a Karaoke arrangement for Ted Levine last season - that was fun, as we spoke on the phone a couple of times, and I've run into Tony a few times as well.

Did you expect "Monk" to be as successful as it is now?

Not really - we started out as a little summer series on a basic cable network. I always thought the character was wonderful, but (now worldwide) sucess of the show is unbelievable!

What do you personally think about the series? Do you watch it sometimes on TV?

I love to watch the shows after I've writted the score. My 10 year old son (who usually skips the murder scene), my wife and I do enjoy catching the shows. It's a good chance to see if my score worked that week, etc.

Did you know that you have many German fans?

Not really, that's pretty cool! I love Europe. Years ago I spend several weeks working in Munich and really enjoyed it. Someday I want to travel Berlin and see that city too (for it's art and history). I'm also a big fan of painting and modern art. A few years ago I saw of show of Gerhard Richter's and was blown away.

What are you currently working on?

I just started scoring "Rome" for HBO/BBC. It's a 12 hour show, part fiction, part history that takes place in 52 BC. It's an amazing project and I'll really enjoying it. I'm also scoring an independent feature, "Tempesta" directed by Tim Disney.

The last one: What do you think about the German "Monk" Fansite ;) ?

Very cool - now I'll have to brush up on my Deutsch!!
Best regards, Jeff.

Thanks a lot Jeff for this interview for the German fans!

Übersetzung deutsch

Lieber Jeff, danke für dieses Interview. Es ist für mich und für die deutschen Fans eine große Ehre! War es schwierig für Dich, den ganz besonderen Charakter von "Monk" in Musik umzusetzen?

Das ist immer der knifflige, jedoch auch der amüsanteste und lohnendste Teil meiner Arbeit (speziell am Anfang, wenn ich die Musik also den 'Sound' für eine neue Serie oder einen Film ausknoble). Für gewöhnlich erhalte ich jede Menge Inspiration von den Schauspielern und der Handlung. Ich liebte die Art, mit welcher Tony trockenen Humor, Paranoia, Intelligenz und Komik mittels Körpereinsatz miteinander verbindet, um den Charakter zu kreieren. Ich kann nachempfinden, wie Monk für gewöhnlich in seiner eigenen kleinen Welt gefangen ist - sich mit Sicherheit nicht um irgendwelche normalen Gepflogenheiten wie Mode oder die feine Lebensart kümmernd. (so wie wir "normalen" Leute das für gewöhnlich tun).

Die Musik unterstützt für gewöhnlich eine Betrachtungsweise dieser Gesichtspunkte, wie etwa kindliches Vergnügen daran zu finden, das "Rätsel zu lösen" etc. Ich versuche, den Charakter und die Art, wie man ihn spielt und spricht, durch ein bestimmtes Tempo und einen Rhythmus zu unterstützen. Die kniffligste Sache hinsichtlich komödiantischer Stücke ist zu lernen, wann man sich jenen nicht in den Weg stellen darf und die Witze und lustigen Augenblicke einfach geschehen lassen muss - oftmals kann die Musik hintergründig dabei behilflich sein, auf derart komische Sachen vorzubereiten. Die Herausforderung ist, dabei nicht weiter vorzugehen als nötig ist, um die Komödie voranzutreiben.

Erhälst Du Deine Ideen für die Musik während Du Dir Szenen ansiehst oder komponierst Du, ohne jene zu verfolgen?

Ich schreibe eine Partitur fast immer zum Film. Bei der Musik zu "Monk" hängt der zu spielende Takt sehr von der einzelnen Szene ab, funktioniert also für gewöhnlich im Zusammenhang mit dem Spielablauf der Szene. Ich bin es gewohnt, oft Jazz zu spielen, und jenes Verfahren erinnert mich sehr daran. - Ich versuche, mich einzufügen und ein Teil von dem, was jeder andere tut, zu sein. An oberster Stelle steht, ein guter Zuhörer und Beobachter zu sein.

Woher nimmst Du die Kreativität, um zu komponieren?

Hm - für gewöhnlich, wenn ein Termin abläuft! So funktioniert das meistens im Film- und Fernsehgeschäft. Wenn man Musik fürs Fernsehen schreibt, wird man besonders von ablaufenden Terminen angetrieben. Ich versuche, längere Zeitspannen zu finden, in denen ich ohne mehrmalige Unterbrechungen arbeiten kann. Dies resultiert gewöhnlich in den besten Ideen und Arbeiten. Ich liefere auch dann die besten Arbeiten ab, wenn die Serie (so wie "Monk") gut ist - es ist sehr inspirierend, wenn man so großartige Schauspieler hat, die eine so tolle Arbeit verrichten.

Hattest Du während oder nach ihrer Arbeit Kontakt mit einem der Schauspieler von "Monk"?

Nur sehr wenig - ich habe für Ted Levine in der letzten Staffel ein Karaoke-Arrangement gemacht - das war lustig, als wir ein paar Mal am Telefon miteinander gesprochen haben, und ich bin einige Male so gut wie in Tony "hineingelaufen".

Hast Du damit gerechnet, dass "Monk" so erfolgreich wird, wie es jetzt der Fall ist?

Nicht wirklich - wir haben als kleine Sommer-Serie bei einem einfachen Kabel-Sender begonnen. Ich war immer schon der Ansicht, dass dieser Charakter toll ist, aber der (jetzt weltweite) Erfolg der Serie ist unglaublich!

Was denkst Du persönlich über die Serie? Siehst Du sie manchmal im Fernsehen?

Ich liebe es, mir die Serien anzusehen, nachdem ich die Musik dafür geschrieben habe. Mein 10jähriger Sohn (der für gewöhnlich die Mord-Szene überspringt), meine Frau und ich genießen gefesselt die Serie. Es ist eine gute Gelegenheit zu sehen, ob meine Musik in dieser Woche gelungen ist, etc.

Wusstest Du, dass Du viele deutsche Fans hast?

Eigentlich nicht, das ist ziemlich cool! Ich liebe Europa. Vor Jahren habe ich einige Wochen in München gearbeitet, und ich habe es wirklich genossen. Irgendwann möchte ich nach Berlin reisen, um mir auch diese Stadt anzusehen (ihre Kunstschätze und Geschichte). Ich bin ebenfalls ein großer Anhänger von Malerei und moderner Kunst. Vor ein paar Jahren habe ich eine Ausstellung von Gerhard Richter gesehen und war überwältigt.

Woran arbeitest Du gerade?

Ich habe gerade damit angefangen, für HBO/BBC die Musik für "Rom" zu schreiben. Es ist eine 12 Stunden umfassende Serie, zum Teil Fiktion, zum Teil Geschichte, die im Jahr 52 vor Christus spielt. Es ist ein erstaunliches Projekt, und ich werde es wirklich genießen. Ich schreibe ebenso die Musik für einen unabhängigen Film namens "Tempesta", bei dem Tim Disney Regie führt.

Die letzte Frage: Was hälst Du von der deutschen "Monk"-Fansite?

Sehr cool - jetzt werde ich mein Deutsch aufpolieren müssen!!
Mit den besten Empfehlungen, Jeff.

Vielen Dank, Jeff, für dieses Interview für die deutschen Fans!