25.06.2017 | 05:38 Uhr CEST
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Interview mit Bodo Wolf

Vorbemerkung

Bodo Wolf
Bodo Wolf

Das folgende Interview mit Bodo Wolf, Synchronsprecher von Tony Shalhoub, wurde 2005 von Florian Hirsch für die Fansite adrianmonk.de geführt.

Das Interview

Arbeiten Sie schon lange als Synchronsprecher?

Ja, ungefähr seit 15 bis 20 Jahren.

Tatsächlich schon? Dann sind Sie also sehr erfahren auf diesem Gebiet?

Kann man so sagen, ja.

Das merkt man auch bei "Monk", muss ich ganz ehrlich sagen. Man merkt, dass Sie da mit Leidenschaft dahinter sind.

Ja, sehen Sie mal: Es ist natürlich eine etwas außergewöhnliche Geschichte, weil man so eine extreme Rolle in Ihrer Interessantheit usw. nicht jeden Tag vorgesetzt bekommt. Das ist sozusagen natürlich das Salz in der Suppe des Schauspielers. Dass man da das Glück hatte, ausgewählt zu werden, immerhin haben für diese Rolle 7 Leute Probe gesprochen, da ist das schon ein Glücksfall.

Das denke ich auch! Scheinbar ist dann ja doch die richtige Wahl getroffen worden!

(lacht) Ja, sagen wir es mal so: Ich freue mich natürlich sehr darüber!

Haben Sie eigentlich einen Schauspieler, dem Sie regelmäßig Ihre Stimme leihen?

Ja, sehen Sie, ich merke mir die Kollegen leider nur ganz schlecht. Es waren so viele in dieser Zeit. Ich war letztens nominiert für den Synchronpreis des Jahres 2004, und dafür musste ich so eine Kurz-Vita erstellen für die Jury. Das ist mir sehr schwer gefallen. Da gibt es die Brüder Kaul, die alle Daten sammeln, wie Sie vielleicht wissen [Synchrondatenbank.de; Anm. d. Webm.], und die haben mir ein Fax zugeschickt, und ich sage Ihnen: Das war 5 Meter lang, was ich alles schon gesprochen habe! (lacht) Ich kann Ihnen nur sagen: Den Alan Alda der bei den Woody Allen-Filmen immer mitspielt, das ist auch so ein groß gewachsener, grauhaariger wie ich - oft geht man nach dem Äußeren - den weiß ich jetzt als Ersten zu nennen, aber ansonsten fällt mir das so schwer, weil es einfach zu viele sind, ich merke mir das nicht. Man macht ja manchmal pro Tag 2-3 Filme, und das ist eine solche Fülle an Material, dass muss man auch vergessen, sonst wird man verrückt (lacht)!

Sie sagen, Sie machen manchmal mehrere Filme an einem Tag. Dauert es denn nie sehr lange, zu synchronisieren?

Das kommt natürlich auf die Größe der Rolle an! Ich mache ja auch kleine Rollen, und manchmal bestehen diese Rollen nur aus etwa 10 Takes oder so. Da das seit einigen Jahren mein Haupt-Job ist, muss man schon ganz schön reden, damit man auf sein Geld kommt (lacht). Und deshalb werden auch solch kleine Sachen natürlich mit gemacht. Ein Film besteht ja nicht nur aus großen Rollen.

Ich kann es mir nur schwer vorstellen, eine Person wie Adrian Monk zu synchronisieren - sehen Sie diese Aufgabe als eine besondere Herausforderung an?

Ehrlich gesagt nicht: Ich habe 30 Jahre Theater gespielt und daneben Film und Fernsehen gemacht - da wird man mit so vielen Aufgaben konfrontiert und der Erfahrungsschatz wird derart angereichert, dass man jetzt in meinem Alter eben in der glücklichen Lage ist, dass man sich etwas ansieht, und relativ schnell weiß, wie man das machen muss. Aber es eine schöne und lohnenswerte Sache, wie gesagt, gegenüber vielem Anderen, was man so eben auch absolvieren muss, weil es bezahlt wird (lacht).

Sind Sie im wirklichen Leben mit den Synchronsprechern der Serie befreundet, so wie es die Schauspieler der Serie auch sind?

Nein, eigentlich weniger. Das passiert unter Schauspielern sowieso weniger. Wissen Sie, wenn Sie am Theater engagiert sind, dort passiert so etwas eher. Wenn man also tatsächlich über einen langen Zeitraum sich jeden Tag sieht, gemeinsam auf der Bühne steht. Aber wir um Studio, wir laufen manchmal monatelang aneinander vorbei, ohne uns zu sehen! Deshalb entstehen da weniger Freundschaften. Das ist ähnlich wie beim Drehen, bei der Filmerei: Da macht man einen Film zusammen und dann trennen sich die Wege wieder, weil jeder einen anderen, neuen Film macht. Und da bildet sich sowas auch selten heraus. Manchmal passiert so etwas, aber es ist eher selten. Aber man schätzt sich natürlich trotzdem, das ist keine Frage! Ich habe Ihre Frage dahingehend betrachtet, als dass man Freundschaften schließt mit dem, was eben eine Freundschaft so beinhaltet: sich öfter treffen, privat etwas gemeinsam unternehmen (Florian stimmt zu) - das ist eigentlich nicht der Fall. Aber es gibt natürlich unterschiedliche Leute; Sie fragen jetzt mich, für mich trifft das zu, aber ich weiß, dass unter den jüngeren Kollegen so etwas eher möglich ist. Die sind vielleicht noch in dieser Hinsicht aufgeschlossener. Im Alter hat man dann Familie und möglicherweise dann doch andere Interessen.

Was halten Sie persönlich von der Serie Monk - Sie haben es vorher schon kurz angerissen?

Ich finde es richtig wohltuend, in diesem unendlichen Reigen der Krimis - man kann ja anschalten, was man will, man hat den Eindruck, es gibt nur noch Krimis, und viele sind eben sehr gewalttätig und sehr blutrünstig, das schreckt ab. Ich finde es auch schlecht aus Vorbildwirkung für Kinder und Jugendliche usw., und da unterscheidet sich diese humoristische Art - so will ich es einmal nennen - dieser Serie sehr von den anderen, und das gefällt mir außerordentlich!

Absolut. Für mich ist die Serie so eine Besonderheit, ähnlich wie es Columbo auch schon war!

(lacht) Ja!

Monk hat einfach eine ganz andere Art, an Kriminalfälle heranzugehen, und ich finde es faszinierend, wie man eine Person so darstellen kann!

Es ist natürlich ein tüchtiger Trick, der war - sage ich mal - sicher nicht ohne Bauchschmerzen bei den Produzenten zu Anfang, einen - ich nenne es mal "Autisten" - zu solch einer Hauptfigur einer Serie hochzutreiben. Das ist schon sehr mutig, finde ich, birgt aber natürlich unendliche Möglichkeiten, ganz anders als in einem herkömmlichen Krimi.

Wenn ich hier so mit Ihnen spreche, klingen Sie nicht völlig und zu 100% nach Monk! Man hört es schon raus, aber verstellen Sie Ihre Stimme, wenn Sie synchronisieren?

Ja, immer!

Ist das schwer für Sie?

Nee (lacht), aber das machen nicht so viele, ich sage Ihnen mal: Wenn Sie den Fernseher anstellen, hören Sie mich sicher jeden Abend, aber Sie erkennen mich nicht unbedingt, weil ich natürlich versuche, mich jedes Mal auf die Figur, die dort zu sehen ist und die ich dann spreche, und die Situation einzustellen, ob der jetzt jünger oder älter, dick oder dünn ist, das ist ein Unterschied! Ob der fröhlich ist oder traurig, ich versuche dann, meine Stimme ein bisschen zu verändern. Natürlich aber nicht zu sehr, sonst würde man das möglicherweise als unnatürlich empfinden. Das muss natürlich in einem Rahmen bleiben. Ich meine - es ist immer blöd, wenn man über sich selbst so etwas sagen soll - aber die Kollegen sagen schon Chamäleon zu mir, und das freut mich natürlich, weil das verstehe ich unter Schauspielerei, dass man nicht immer sofort erkannt wird, sondern sich in die Figuren hineinversetzen kann und das eben möglichst authententisch, so dass der Zuschauer gar nicht mitbekommt: Das ist ja immer der Bodo Wolf, der die spricht, die unterschiedlichen Leute...!

Ich denke, dafür muss man eine gewisse Begabung haben!

Das kann wohl sein! Es gibt sehr gute Theaterschauspieler, die das überhaupt nicht können, das Synchronisieren. Es ist ja ein gewisses technisches Medium dabei, es ist von einer atemberaubenden Schnelligkeit, mit der das heutzutage produziert werden muss - man kann also nicht wie am Theater tagelang Sachen ausprobieren, um die beste Lösung zu finden, man sieht das Bild 1 mal im Originalton, den einen Satz, und dann muss man alles erfassen: Die Geschwindigkeit, die Situation, in der der Satz gesagt wird, wo sind bestimmte Merkmale - wir bemühen uns ja hier in Deutschland darum, ich denke, wir sind die Weltmeister im Synchronisieren, dass der Zuschauer nicht merkt, dass es ein ausländischer Film ist! Sie denken ja mitunter sogar: Ja klar, das ist ein deutscher Film, da auch die Lippenbewegungen gleich sind. Es sitzen ja viele Leute daran, den Text dahingehend zu bearbeiten, dass das eben originalgetreu aussieht. Wir Schauspieler müssen, wenn wir synchronisieren, natürlich auch darauf achten, dass eben solche Lippenlaute, die man eben ganz deutlich sieht - wenn man etwa "Bitte" sagt sieht man eben ganz genau, dass die Lippen zusammengehen usw., dass die passend sind. Nicht umsonst sitzt ja auch eine Cutterin mit im Studio, die nur darauf achtet, und mich dann, wenn es nicht geklappt hat, drauf hinweist: "Hier haste es nicht richtig gemacht und da ist noch ne kleine Pause, die musst Du größer machen", und das muss man eigentlich bei diesem einen Male Angucken erfassen!

...das stelle ich mir unglaublich schwer vor!

Ist es auch. Also ich glaube es ist ein Höchstmaß an Konzentration nötig, um das zu absolvieren. Und das können eben - um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen - nicht allzu viele.

Haben Sie zufällig schon einmal auf unserer Site AdrianMonk.de vorbeigeschaut?

Nachdem ich das Fax [mit der Interview-Anfrage; Anm. d. Webm.] bekommen habe, habe ich das getan und hab mal so kurz reingeschaut, ja, und habe die Interviews mit dem Klaus-Peter [Grap] und Helmut [Gauss] gelesen.

(schmunzelnd) Und wie finden Sie so die Internetseite?

Ja gut! Ich habe das Internet jetzt ganz neu und bin noch gar nicht so richtig in dieses Medium eingestiegen, aber es gelang mir, die Seite aufzurufen (lacht) - und ich find das okay. Ich habe noch nicht die riesigen Vergleiche...

Dann bin ich auch schon am Ende mit meinem Interview. Ich danke Ihnen sehr herzlich für das Interview und Ihre Bereitschaft, den Begrüßungstext aufzunehmen, und wünsche Ihnen alles Gute!


Bild: © 2006 synchronkartei.de